Logistikservices, neu definiert

Menschen, Technik, Geschäftsprozesse: In der Logistik ergibt dieser Dreiklang Services, die Waren und Wirtschaftsgüter von A nach B befördern, und das möglichst schnell, zuverlässig, kostengünstig und transparent – das sind die Kriterien, an denen Logistikdienstleister schon immer gemessen wurden.

Nun hat die Digitalisierung Logistikservices neu definiert. Die Kriterien „schnell, zuverlässig, kostengünstig und transparent“ scheinen ihre angestammten Grenzen verloren zu haben. Die digitale Technologie hat Logistikprozesse radikal verändert, und dadurch gestaltet sich die Rolle des Menschen innerhalb der Abläufe permanent neu.

Dieses Strategiepapier soll Ihnen helfen, ebendiese Voraussetzungen für sich zu schaffen. Es illustriert die konzeptionelle und strategische Entwicklung der Logistik und der Supply Chain und bietet einen Überblick der wichtigsten Technologien, welche die Logistik schon bald prägen werden. Am wichtigsten jedoch: Es schildert einen Ansatz, der Ihnen helfen könnte, sich auf die turbulente Entwicklung der kommenden Jahre richtig einzustellen.

Die Entwicklungen bei den größten und fortschrittlichsten Logistikdienstleistern lassen uns erahnen, wie die Zukunft der Logistik aussehen wird:

  • IoT-Sensoren überwachen den genauen Standort der Waren, behalten Temperatur, Feuchtigkeit, Licht sowie Erschütterungen im Auge und triggern automatische Abläufe, wenn bestimmte Werte erreicht werden.

  • In den Lagerhäusern verkürzen Roboter die Laufwege des Personals, indem sie die jeweiligen Waren oder ganze Regale zu den Mitarbeitern bringen.

  • Die Einsatzpläne der Mitarbeiter in den Warenlagern werden automatisch dem Tagesgeschäft angepasst und die Abläufe mittels künstlicher Intelligenz kontinuierlich optimiert.

  • Blockchain-Systeme verwalten Versanddokumente, stellen sie nur Befugten zur Verfügung und überwachen die Einhaltung von Lieferverträgen und Zahlungskonditionen.

  • Und irgendwann – in naher Zukunft – werden Messages wie diese zu unserem Alltag gehören: „Ihre Bestellung wurde von einer unserer Drohnen auf Ihrem Balkon abgestellt.“

Die grundsätzliche Aufgabe der Logistikanbieter, nämlich Waren von A nach B zu befördern, bleibt auch mit der Digitalisierung im Kern dieselbe. Offen ist jedoch, wie genau sie erfüllt wird und mit welchen zusätzlichen Services die Anbieter ihre Geschäftsmodelle erweitern und aufwerten werden.

"Durch die Digitalisierung der Supply Chain sinken die Transport- und Lagerkosten um 30 bis 50 Prozent, der Arbeitsaufwand im Service Center reduziert sich um 75 bis 90 Prozent und die Lager schlagen die Waren um 50 bis 80 Prozent schneller um."

McKinsey

"Ein typisches 3PL-Logistikunternehmen mit einem durchschnittlichen Branchenumsatz von 15 Milliarden Euro und einem EBITDA von 536 Millionen Euro (3,6%) könnte sein EBITDA durch Digitalisierung um bis zu 13 Prozent steigern."

Accenture

Die Ausgangssituation in den Unternehmen wird dabei nicht allein vom Stand der verfügbaren Technik vorgegeben. Entscheidend ist ebenso die Fähigkeit, die existierende IT-Infrastruktur zügig zu modernisieren. Ziel ist es, eine tragfähige Basis für die Aufnahme neuer Technologien zu schaffen, etwa für IoT-Komponenten, intelligente Prozessautomatisierung, Robotik und künstliche Intelligenz. Diese Basis wird letztlich entscheiden, ob die Logistikservices von morgen den Anforderungen der digitalen Wirtschaft entsprechen, nämlich ob sie durchgehend, hochgradig automatisiert, transparent und resilient sind. Der Forderung nach Integrationsfähigkeit, Durchgängigkeit und Transparenz stehen allerdings bei vielen Unternehmen zurzeit fragmentierte IT-Landschaften, Anwendungsinseln und Datensilos im Weg. Diese Gräben zu überwinden und die IT-Systeme zu verbinden hat deshalb höchste Priorität.

Eine agile und durchgängige Betriebsbasis zu schaffen entscheidet auch über die Widerstandsfähigkeit der Geschäftsprozesse. Die Corona-Pandemie hat die Logistik auf die Probe gestellt, und es ist klar geworden, dass besonders Abläufe, an denen Menschen beteiligt sind, im Krisenfall resilienter sein müssen. Wenig überraschend zeigen auch die Ergebnisse der „Transformation of Work“-Studie von IDG und ServiceNow, dass die Logistikbranche die höchste Dringlichkeit bei der Reform des Digital Workplace aufweist (siehe Kasten). Durchgängige Geschäftsprozesse und agile Workflows sowie der transparente Zugriff auf alle Daten, die darin eine Rolle spielen, sind nicht zuletzt das herausragende Merkmal der Unternehmen, die die Logistik und Supply Chain der Zukunft aktuell prägen. Und das ist kein Zufall. Die Integration und Vernetzung von allem mit allem ist der Anfang einer Entwicklung, die die Voraussetzungen für Supply Chain 4.0 schafft.